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Den Held zur Ruhe betten
Pseudo-Philosophisches





Es kommt oft unerwartet: ein misslungener Rettungswurf gegen Todesmagie, ein ganzes 6er – Rudel beim Schadenswurf des Meisters, eine übersehene Fallgrube, die jeder Pfadfinderlehrling auf Anhieb entdeckt hätte oder ein unbedachtes „Arschloch“ zum mächtigen König, kann einen Helden deutlich schneller als geplant auf mehr oder weniger appetitliche Art und Weise zur Ruhe betten.

Die Gestaltungsmöglichkeiten des Spielers sind hier sehr eingeschränkt:

Spieler (mit weinerlicher Stimme): Ich will noch ein paar letzte Worte sagen.

Spielleiter: Hmmmm – Dein Kopf liegt 3m vom restlichen Körper entfernt


Wir haben somit empirisch (aus eigener [schmerzlicher] Erfahrung) nachgewiesen, dass sich ein Held mit der Planung des plötzlichen Zur Ruhe Bettens / des eigenen Todes nicht zu beschäftigen braucht.

Kommen wir somit zum geplanten Ruhestand – vom umjubelten Abenteurer zum stubenhockenden Rentner. Vom unerschrockenen Draufgänger zum zappenden Nörgler. Von Hartz IV zu Riester – äääh ihr wisst schon …

Wie der Lebensabend des Helden dann konkret aussieht, ist so unterschiedlich wie die Rezepte zur Zubereitung von Elfenleber eines mäßig begabten Ork-Kochs. Spieler, die ihren Helden schnell loshaben wollen, machen entweder „irgendwo“ einen Gasthof auf oder „kaufen“ sich einen Bauernhof. Die meisten Meister (ha – was für ein mieser Schreibstil) sagen dann: „Ja – dein Dingsbums ist daundda und es reicht für ein ruhiges Leben.“


Schauen wir uns das aber mal im Detail an:

Der Held will also „irgendwo“ einen Gasthof aufmachen. Die berechtigte Frage ist doch: WO? In einer großen Stadt muss entweder teure Pacht bezahlt werden oder ein Geschäft gekauft. Für den Kauf muss viel Geld zur Verfügung stehen – sicherlich müssen Wertgegenstände verkauft werden. Das dürfte den gepanzerten Breitschwertschwinger ganz schöne Probleme bereiten. Dann sind da noch die ganzen Behördengänge, der regelmäßige Kauf von Essen, Getränken usw. Kurz: der Held macht eigentlich etwas, wovon er soviel Ahnung hat wie ein Steppenbarbar von Kernphysik. Klar – in einem kleinen Dorf mit wenig Konkurrenz ist das alles einfacher, aber es gibt auch dafür Gründe – wenig Gäste die nur wenig bezahlen können. Bis da eine einzige Goldmünze verdient ist, die in Dungeons in unsortierten Haufen rumliegen geht einige Zeit ins Land.


Nun zum Bauernhof. Ob hier 5-beinige Schweine gezüchtet werden oder der fortschrittlichste Genmais angebaut wird – Bauer ist bei weitem der härteste Job, den man sich denken kann. Von einem „ruhigen Leben“ haben diese Leute zwar mal im Wirtshauserzählungen gehört – kennen gelernt haben sie es nicht! Realistisch betrachtet dürfte ein Held die Arbeit nach ein oder zwei Sonnenwenden hinschmeißen und lieber wieder ein paar Riesenspinnen verdreschen, als jeden Tag beim ersten Hahnenkrähen aufzustehen und Nachts völlig erschöpft ins Bett zu fallen.


Mit 16 Jahren habe ich einen mächtigen Magier in den Ruhestand versetzt. Da für mich damals der Pfläumli-Likör das höchste Gut war, sollte mein Magier zum Massenproduzenten für dieses süße, schmackhafte Getränk werden. Also mal kurz Pflaumenbäume in Monokultur auf einer Fläche angepflanzt, die dem Land Luxemburg entspricht. Keine Ahnung was da vorher war? Bäume? Dörfer? – Hach wurscht.

Kleinere logistische Probleme wurden geflissentlich ignoriert – oder weder vom Spieler noch vom Meister bedacht. Z.B. welche Heerscharen an Erntehelfern innerhalb eines Monats diese Tonnen von Pflaumenfrüchten pflücken, mit hunderten von Pferdekarren zu riesigen (damals nicht existierenden) Destillieranlagen zu fahren und dann die fertigen, zahlreichen Fässer in die gesamte bekannte, gefährliche Welt zu verteilen.

Welchen Wert hatte diese Ware nun?

Da es viel besser schmeckt als Schnaps, denkt sich Marx junior, sollte es mindestens doppelt so viel Wert sein wie Schnaps. Ok nicht ganz so gierig: nur 50% mehr.

Da sich der Wert einer Ware aber nicht daran misst, ob sich ein 16-jähriger Hobby-Ökonom damit Samstags gern besäuft, sondern welches außersinnliches Austauschverhältnis die Warenform „Pfläumle“ im gesellschaftlichen Verhältnis von Gegenständen einnimmt. Wie wir alle wissen, ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhältnis der Menschen selbst, welches hier für sie die phantasmagorische (ej – des neue Word kennt das coolere Wort für „vorgestellte“ net!) Form eines Verhältnisses von Dingen annimmt. Das ist Fetischismus. Oder weniger spitzfindig ausgedrückt: Warum sollten die Leute einer mittelalterlich-fantastischen Welt literweise einen teuren Likör saufen, bei dem man sich nach eigenen Recherchen nach dem sechsten Glas eh übergibt? Weder die große Unterschicht noch die deutlich kleinere Mittelschicht würde das tun. Bleibt die sehr kleine Oberschicht, für die das genannte Projekt aber genauso überdimensioniert sind wie ein Zweihänder für ein Halbling-Kind.

Es hätte also nicht funktionieren dürfen.

Was gibt es noch? Eigentlich nur den anfangs genannten „ungeplanten“ Tod. Ein Held kann nur dann unsterblich in Bardenliedern werden, wenn er auf dem Höhepunkt seiner Karriere stirbt. Ein für Allemal. Natürlich heroisch. Wer würde heute Elvis oder Marilyn noch so abgöttisch verehren, wenn er eine Kneipe aufgemacht hätte und sie für Gebissreiniger Werbung macht. Oder Che als niedergelassener Arzt in Bolivien?? Kein dämlicher Teeny würde Ches Gesicht auf seinem T-Shirt tragen, wenn er weiß, dass derselbe Mann gerade einem Opa die Hämorriden rausoperiert.


Das Leben des Helden und sein Ende sind so widersprüchlich: da überlebt man tausende Gefahren und muss sich letztlich doch dem Sensenmann beugen, um der größte zu werden…










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Publiziert am: 2008-02-07 (819 mal gelesen)

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