Willkommen bei Rollenspiel-Online.de

Die Seite für Rollen- und Magic-Spieler

Navigation
 
Start
Neu hier?
~~~~~~~~~~~~~~~
Magic
Was ist...?
Regeln
Spielstrategien
Kombinationen
Deckbau
Deckbeschreibungen
~~~~~~~~~~~~~~~
SL-Tipps
Kampagne
Rätsel
NSC-Beschreibung
~~~~~~~~~~~~~~~
SC-Tipps
RSP- Gruppe finden
~~~~~~~~~~~~~~~
Spass
Berichte
Pseudo-Philosophisches
Comics
~~~~~~~~~~~~~~~
Downloads
Terminkalender
Glossar
Kontakt
Links
Partner


Wer ist online?
Zur Zeit sind 49 Gäste und 0 Mitglied(er) online.

Sie sind ein anonymer Benutzer. Sie können sich hier anmelden


Suche




  
Alkohol im Rollenspiel
Bericht




Übermäßiger Alkoholgenuß im Rollenspiel (von Kai Grashoff)


Alkohol- zweifellos eine der ältesten Geißeln der Menschheit! Er fordert unzählige Todesopfer, zerreißt Familien, zerstört sowohl die Mächtigen als auch die Schönen. (Ich wage an dieser Stelle nicht seine angenehmen Seiten zu propagieren!)
Alkohol in der einen oder anderen Form findet seinen Zugang auch zu Rollenspielrunden, was nicht weiter tragisch ist, wenn mehr Wert auf's Spielen als auf's Saufen gelegt wird. Doch wie ist es, wenn es genau umgekehrt ist? Wie spielt der durchschnittliche Rollenspieler in betrunkenem Zustand? Dieser Frage wollte ich nachgehen, und so wurden weder Kosten noch Mühen gescheut, dieses Experiment zu starten.


Das ganze schwebte mir eigentlich schon länger im Kopf herum, doch erst als mich mein Bekannter Johann Schwartz in den Weihnachtsferien für zwei Tage zu sich nach Hause einlud, da seine Eltern in den Urlaub gefahren waren, nahm der Gedanke feste Formen an. Ich schlug ihm vor, das Experiment an einem dieser beiden Tage zu vollziehen, und er war Feuer und Flamme für die Idee und versprach, mich nach Kräften zu unterstützen. Hätten wir bereits zu diesem Zeitpunkt ahnen können, daß unser Vorhaben geradezu ausarten sollte, hätten wir uns die Idee mit Bestimmtheit wieder aus dem Kopf geschlagen.
Unser Vorgehen bestand darin, eine Rollenspielgruppe, die dem Alkohol nicht gerade abgeneigt ist, zusammenzustellen, diese mächtig abzufüllen und dann ein kurzes, absolut simples Cyberpunk-Abenteuer zu spielen. Um Eindrücke festzuhalten, wurden einige Passagen mit einem Kassettenrekorder mitgeschnitten, aber leider überlebte die hierbei verwendete TDK-Kassette ein Bierbad nicht, so daß auch diese Vorbereitung für die Katz war. Zu saufen gab es vom Karlsquell-Killerbier aus'm Aldi für nicht einmal 50 Pfennige bis zum Edel-Knallgesöff Jack Daniels (Prost Daniel!) alles, was der Durchschnittsgelegenheitstrinker so bevorzugt, um 'mal so richtig abzukacken. Die Getränke stammten zu einem Teil aus Alk-Reserven des Schwartz'schen Kellers und zum anderen aus Supermärkten wie Aldi und Spar. (Um hier jetzt dem Vorwurf der Schleichwerbung vorzubeugen, möchte ich darauf aufmerksam machen, daß es auch noch Edeka, Lidl, K&K, Kaisers, Ko-op (hoppla!), Schlecker (YEAH!), Ihr Platz etc.pp. gibt und mensch auch dort superprima einkaufen kann.) Es tat mir wahrlich in der Seele weh, denn für die Kohle hätte mensch ein komplett neues Rollenspielsystem mit Erweiterungen (wenn's denn nicht gerade AD&D heißt) oder eine aufblasbare Gummipuppe im Supersonderangebot bei Beate Uhse erwerben können.

Das Experiment sollte um Punkt 16 Uhr beginnen. Die Spielerinnen und Spieler, nach Johanns Aussage allesamt vernünftige Cyperpunk-Spieler (-sie spielten schon seit einiger Zeit zusammen Cyberpunk-), hatten ihre fertigen Charaktere bereits dabei: Torsten übernahm die Rolle eines Solos namens Pete Gunn, während Rea die Reporterin April May verkörperte. Elke wiederum spielte die Nomadin Minelli und Reiner den Netrunner Flash. Johann hatte das Szenario vorbereitet und sollte es als Spielleiter mastern, während ich das Geschehen überwachen und mir gegebenenfalls Notizen machen wollte. Derweil vergriffen sich unsere vier Versuchskaninchen an den Getränken. Leider, leider platzten dann völlig unvermittelt Johanns Chaoten-Kumpanen Stanis und Gustav ins Geschehen. Sie rafften natürlich sofort, um was es ging und wollten selbstverständlich mitspielen. Nach erfolglosen Versuchen, die Asseln wieder loszuwerden, blieb mir nichts anderes übrig, als mit den beiden auf die Schnelle Charaktere auszuwürfeln. Als begeisterte Shadowrun-Straßensamurai-Spieler wählten die Kaputten natürlich Solos (ich denke, das ist der Plural; 'Soli' klingt nämlich verheerend!), wobei Gustav seinen Charakter Killerboy nannte und Stanis seine Figur auf den Namen Rambo jr. taufte. (Wie treffend, ihr Mülleimer!) Johann mußte wohl oder übel sein Abenteuer bei zwei zusätzlichen, äußerst wüsten und kampferprobten Spielern ein wenig erschweren. Er hätte es sich auch sparen können...

Als dann nach etwa anderthalb Stunden die vier Buben und zwei Mädels soviel Alkohol konsumiert hatten, daß sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnten (natürlich aus rein wissenschaftlichen Motiven), sollte es losgehen. Das Abenteuer bestand darin, daß das Team, deren Mitglieder sich schon untereinander kannten, in ein Forschungslabor eines mittelgroßen Konzerns einbrechen sollte, um dort die Formel eines neu entwickelten Kampfgases zu erbeuten.


Ein 08/15-Auftrag schlechthin! Doch was daraus wurde, kommt einem mittelschweren Desaster gleich. Noch bevor der Auftraggeber die Charaktere, die sich in Minellis Caravan zusammengerottet hatten, aufsuchen konnte, begann das Chaos in Gestalt der beiden Solos Killerboy und Rambo jr., die unbedingt ein Wettschießen mit ihren Raketenwerfern austragen mußten. Währenddessen spielte April mit ihrem herausnehmbaren Kameraauge, bis Pete Gunn es ihr wegnahm und in den Mund steckte. Nicht einmal eine Minute später hatte Rambos zweite abgefeuerte Rakete eine Nobelkarosse mitsamt dem Fahrer, bei dem es sich natürlich um den Auftraggeber handelte, in die Luft gesprengt, während Gunn Aprils Cyberauge mit seinen Stahlkiefern zerkaut und sie ihm dafür, sozusagen als Revancheaktion, einen Arm ausgerissen hatte. Da Gunn zu verbluten drohte und dessen Spieler Torsten sich darüber allzu sehr erhitzte, goß dieser Rea sein Erdinger Weißbier über den Kopf. Nur mit Mühe konnten Johann und ich die in Rage Geratene davon abhalten, dem Attentäter "kräftig in die Nüsse" (O-Ton Rea) zu treten. Nachdem sich alle wieder etwas beruhigt hatten, sollte es weitergehen, obgleich das Abenteuer mit der 'versehentlichen' Tötung des Auftraggebers eigentlich schon gelaufen war. Reiner war inzwischen am Spieltisch eingeschlafen, da er die letzten beiden Nächte Bereitschaftsdienst im Krankenhaus gehabt hatte und Alkoholkonsum ihn eh immer ziemlich ermüdete, während Torsten und Stanis unbedingt Dosenstechen machen mußten, wobei letzterer sich dabei völlig mit billigem Aldi-Bier vollsiffte. Elke versuchte indes, Reas lange Mähne mit Taschentüchern zu trocknen, was aber nichts brachte, da Rea sich wehrte. Vielmehr blieben einige Fetzen der feuchten Papierlappen in Reas Haaren hängen, was mächtig bescheuert wirkte. Gustav hingegen bewies uns seine Männlichkeit äußerst eindrucksvoll, indem er ein 0,4 Literglas Tequilla in ex trank. Pur.
Weiter im Abenteuer setzten sich die amoklaufenden, raketenwerfenden Cyperpunks in Rambos Jeep und fuhren, laute Musik hörend, in die Innenstadt von Night City. Währenddessen hatte die anscheinend komplett durchgeknallte Reporterin April May den über den Verlust seines rechten Armes sehr erbosten Gunn mit Hilfe ihrer H&K MPK-11 einfach über den Haufen gemäht, so daß Torsten, nachdem Johann ihm fünf Minuten erklären mußte, daß sein Charakter tatsächlich hinüber war, sich kurzerhand den Charakterbogen von Reiner schnappte, der immer noch seinem Suff erliegend schnarchend schlief, und für den Rest dieser Tragödie dessen Netrunner spielte. April May, Minelli und der neubeseelte Flash setzten sich in Aprils Straßenflitzer, um die beiden die Straßen unsicher machenden Solos zu verfolgen, die sie dann nach einer Weile auch eingeholt hatten. April rammte Rambos Wagen, während Minelli auf Befehl der Reporterin mit ihrer Wumme auf das Fahrzeug ihrer vermeintlichen Gegner schoß und Killerboy dabei regelrecht zerfetzte. Gustav zerriß wutentbrannt seinen Charakterbogen, verlangte schnaubend einen neuen, und setzte sich, als ich mich weigerte, ihm eine neue Chance zu geben, für den Rest des Abenteuers schmollend mit der Flasche Jack D. in eine Ecke. Im Abenteuer stoppte Rambo seinen Jeep völlig abrupt, wobei er einiges an Lack und Metall an einer Häuserwand abstrich, sprang aus dem Wagen, machte seinen Raketenwerfer klar, zielte auf Aprils Flitzer und schoß, woraufhin die Karre mitsamt den Insassen in die Luft flog.
Nach etwa einer Dreiviertelstunde das Ende. (Ich, als elendiger Heide, schlug drei Kreuze.) Fünf Charaktere futsch, eine total versaute Küche, ein sich übergebender Gustav (die Vermutung, er habe eine Alkoholvergiftung, bestätigte sich später leider nicht!), eine versiffte Kassette, viele angebrochene Flaschen und ein äußerst unzufriedener Johann. Bevor es ans Aufräumen ging, setzte ich Rea, Elke, Torsten, Gustav, Reiner und Stanis ins Auto, um diese nach Hause zu fahren. Ganz im Gegensatz zu Gustav, dem immer noch furchtbar übel war, und Reiner, der sofort wieder eingeknackt war, nachdem Johann und ich ihn ins Auto manövriert hatten, krakeelten die vier weiter, was eine Tortur für sich war. Elke versuchte unentwegt, Stanis mit einer langen Nähnadel -weiß der Geier, wo sie die hervorgezaubert hatte-, zu stechen, während Rea aus Spaß immer vorgab, göbeln zu müssen. Torsten wiederum, der neben mir auf dem Beifahrersitz saß, schien mit meiner Fahrweise unzufrieden zu sein; zumindest griff er mir ständig ins Steuer, was nicht nur verdammt nervig war, sondern auch echt ins Auge hätte gehen können. Als ich zum dritten Male anhielt, weil Rea wieder 'Ich muß KOOOOtzen!' brüllte, verlor ich völlig die Nerven und schmiß alle sechs vor einem Hotel aus dem Wagen. Eventuell fuhren Busse...

All das klingt übertrieben oder gar unglaubwürdig, doch es ist wirklich so geschehen, wie ich es oben geschildert habe. Als Johann unsere Testspielerinnen und -spieler einige Tage später mit ihrem dämlichen Spielverhalten konfrontierte, wußten diese natürlich von nichts, mit Ausnahme von Gustav und Stanis, die beide sehr stolz darauf waren, wie sie sich benommen hatten.
Scheiß Alkohol! Eßt lieber mal'n Apfel!









Copyright © by Rollenspiel-Online.de Alle Rechte vorbehalten.

Publiziert am: 2005-12-22 (1601 mal gelesen)

[ Zurück ]